i’m REALLY not a robot #
Idee #
Wir alle kennen aus unseren täglichen Erfahrungen im Netz den Button i’m not a robot. Täglich müssen wir beweisen, dass wir menschlich sind und kein ominöses Botnetz, welches versucht, eine Website lahmzulegen. Ob wir nun einen Knopf drücken oder Kreisverkehre, Hydranten und Ampeln auf Fotos erkennen – jedes Mal steht unsere biologische Authentizität in Frage. Die interaktive Installation i‘m REALLY not a robot treibt diese Menschlichkeitsprüfung auf die Spitze und konfrontiert den Nutzer mit einer Prüfung, die über reine Mechanik oder Logik hinausgeht.
Die mechanische Fokus-Prüfung (Gaze Tracking): Der Nutzer muss mit seinen Augen einem unvorhersehbar oszillierenden Punkt auf dem Bildschirm folgen. Ein virtueller Fokus-Strahl misst unerbittlich die exakte Blickfolge und berechnet die mathematische Genauigkeit der motorischen Reaktion.
Die kulturelle Mimik-Prüfung: Das System konfrontiert den Nutzer mit zufälligen, tiefgründigen Zitaten zu Menschlichkeit der Technik- und Kulturgeschichte. Während des Lesens scannt die Maschine die Muskelbewegungen im Gesicht und analysiert die emotionale Anpassungsfähigkeit und Variabilität der Mimik.
Die Abstraktions-Resonanz: Es werden zufällige, rein abstrakte Formen und Farben generiert – von weichen, runden „Bouba“-Blobs bis hin zu zackigen „Kiki“-Sternen, farblich eingebettet in ein physikalisches Doppler-Spektrum von Blau nach Rot. Der Mensch ist aufgefordert, synästhetisch eine emotionale Resonanz auf diese unkonkrete Kunst zu formen. Der simple Algorithmus berechnet daraufhin einen finalen Prozentwert für die Menschlichkeit der Betrachtenden.
CAPTCHAs #
In der Realität testen moderne CAPTCHAs (Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart) schon lange nicht mehr nur, ob wir das richtige Kästchen anklicken, sondern wie wir es tun. Sie analysieren im Hintergrund unbewusste, biometrische Verhaltensmuster: Die Krümmung der Mausbewegung, die Klick-Geschwindigkeit, das Zögern und die organische Unvollkommenheit. Ein Bot bewegt sich in mathematisch perfekten, geraden Linien oder springt in Millisekunden von Punkt A nach Punkt B. Ein Mensch hingegen korrigiert sich, zittert minimal, zeigt asymmetrische Verzögerungen und macht Fehler. Erst diese Abweichungen vom Ideal verifizieren im echten Netz unsere Menschlichkeit. i‘m REALLY not a robot spiegelt und parodiert diese Kontrolllogik in seiner mathematischen Formel: Wer den Punkt in der ersten Phase mit maschineller Präzision verfolgt, verliert Menschlichkeitspunkte. Wer starr und unverändert bleibt, gilt als leblos. Erst die Unschärfe, die mimische Variabilität, das visuelle Abschweifen, die Unsicherheit vor den abstrakten Formen und der emotionale Wechsel machen uns im System der Installation „vermutlich zu 100% menschlich“. Das Projekt wird so zu einem humorvollen Spiegelbild einer Gesellschaft, die sich in einer ständigen Optimierungsschleife zwischen Algorithmus und Emotion befindet.
Wann #
Termine: #
- 10.6.26 Aging with Tech Festival 2026: Installation im Rahmen der Konferenz
Impressionen #